Lauschen, erneuern und erweitern

Das Festival „a cappella“ bringt Leipzig Vokalmusik in allen Facetten näher

In der nächsten Woche startet das Internationale Festival für Vokalmusik „a cappella“ Leipzig in seine 18. Ausgabe.

Die künstlerischen Leiter des Festivals, das Leipziger Vokalensemble amarcord, haben dafür wieder eine Vielzahl hochkarätiger A-cappella-Gruppen aus der halben Welt eingeladen. Vom 21. bis 30. April 2017 ist in insgesamt elf Konzerten unter anderem Vocal Jazz, Renaissance-Polyphonie, skandinavischer Folk und A-cappella-Comedy zu hören.

Amarcord, die aktuell ihre 25. Saison als Vokalensemble begehen, arbeiten im Jubiläumsjahr der Reformation mehrere Konzertprojekte und CDs mit musikalischem Bezug zu Luther und anderen Reformatoren. Bei ihrem Festival „a cappella“ sind es wiederum einige der musikalischen Gäste, die mit ihren Biographien und ihrem Charakter für Reformation – ganz im engeren Wortsinne von „Erneuerung“ und „Wiederherstellung“ – stehen. So wird beim Festival zum Beispiel die Gruppe A Filetta aus Korsika auftreten, die zu den wichtigsten Vertretern der traditionellen korsischen Polyphonie gehören. Das 1978 gegründete Männerensemble hat diese fast vergessene, kraftvoll-archaische Art zu singen nicht nur auf dem ganzen Globus bekannt gemacht, sondern auch an zahlreichen Theater-, Tanz-, Opern- und Filmprojekten mitgewirkt und dabei ihre eigene Kunst nicht nur einsetzen, sondern auch erweitern, verwandeln und erneuern können. Ihr aktuelles Programm „Castelli“ („Burgen“) ist eine Werkschau dieser Kooperationen und des Zusammenspiels ihres traditionellen korsischen Gesangs mit anderen Einflüssen. Es ist bei „a cappella“ am 26. April in der Evangelisch-reformierten Kirche live zu erleben.

Auch das auf Alte Musik spezialisierte Ensemble Cinquecento ist gewissermaßen reformatorisch zu Gange: Es erneuert und erweitert einerseits das Repertoire aufführbarer Werke aus dem Renaissance-Zeitalter, indem es zahlreiche unbekannte und vergessene Komponisten der Zeit (wieder-)entdeckt und ins Licht rückt. Das Spezialgebiet der Gruppe ist dabei die Vokalmusik an den Höfen der Habsburger Monarchie. Zum anderen fällt das Ensemble durch eine selten anzutreffende und historisch interessante Zusammensetzung auf – denn wie die damaligen Hofkapellen rekrutierte es seine Mitglieder aus ganz Europa, in diesem Fall Österreich, Belgien, Deutschland, England und der Schweiz. Cinquecento setzt sich damit aus versierten Sängern fünf verschiedener Länder zusammen. Beim Festival „a cappella“ singt das paneuropäische Sängerkonglomerat die Musik eines franko-flämischen Meisters – am 24. April gibt die Gruppe in der Peterskirche Orlando di Lassos „Missa super Dixit Joseph“ zum Besten.

Neben diesen beiden sind im Laufe der Festivalwoche unter anderem auch die Australier The Idea of North, Club For Five aus Finnland und Profeti della Quinta (Israel/Schweiz) zu Gast. Umrahmt werden die abendlichen Konzerte von Einführungsgesprächen zu und mit den ausführenden Künstlern. Außerdem kann man sein Wissen über die beim Festival abgebildete Bandbreite der Vokalmusik auch mit zwei Vorträgen erneuern und erweitern: Am Samstag, dem 22. April, wird Eva Ullmann vom Deutschen Institut für Humor im Rahmen von „a cappella“ über die Gemeinsamkeiten von Musik und Humor referieren. Am Sonntag der darauffolgenden Woche hält der Leipziger HNO-Spezialist Prof. Dr. Michael Fuchs wiederum einen Vortrag über die Pflege und Gesunderhaltung der menschlichen Stimme. Beide Vorträge finden in der Villa Thomana statt und können kostenfrei besucht werden.

Abgerundet wird die Konzertwoche bei „a cappella“ vom 10. Internationalen A CAPPELLA Wettbewerb Leipzig, der während der Festivalwoche ausgetragen wird und ein Podium für aufstrebende Vokalensembles aus aller Welt ist. Sechs Ensembles haben sich für den diesjährigen Wettbewerb qualifiziert und werden sich vom 27. bis 29. April dem Publikum und einer internationalen Fachjury präsentieren.


 

Autor: Falk Mittenentzwei/DREIECK MARKETING

 

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