Ein besonderer Jahrgang

20 Jahre nach seiner Premiere feiert „a cappella“ 2017 ein beseeltes Fest der Stimme

Als amarcord am Sonntag zu Beginn des Abschlusskonzertes ihres 18. Festivals „a cappella“ die Bühne betreten,

sehen sie sehr zufrieden aus. Das können sie auch sein: Denn hinter ihnen liegen 10 Konzerte, die so vielfältig wie hochklassig waren. Mehr als 7.000 Zuhörer waren im Laufe der Festivalwoche anwesend, die Konzertauslastung lag bei knapp 94 Prozent. Aber das Publikum strömte nicht nur in großen Mengen zu den Konzerten, sondern fiel auch durch enorme Neugier und Disziplin auf. Wo nicht Lachen und Jubeln an der Tagesordnung waren, wurde gebannt zugehört, andächtig gelauscht und fasziniert der Atem angehalten. In einigen Konzerten schien es nicht ein einziges, in Pausen ja eigentlich obligatorisches Husten zu geben. Deutschlandfunk und MDR Kultur, die fünf dieser Konzerte aufzeichneten, schätzen das „a cappella“-Publikum dafür sehr. Das Festival 2017 – 20 Jahre nach dem ersten Fest der Stimme namens „a cappella“ – zeichnete sich durch eine besondere Atmosphäre aus. Die Zuhörer beeindruckt, die Künstler von Herzen dankbar, die Gastgeber und Erfinder amarcord beseelt, alles in Harmonie.

 

Amarcord selbst hatten für ihr Eröffnungskonzert ein Programm geschnürt, das mit Konzeption und Ausführung die Messlatte bereits ganz oben ansetzte: Polyphonie des 14. bis 16. Jahrhunderts und starke zeitgenössische, eigens für das Leipziger Ensemble komponierte Stücke in einer aufregenden Mischung und dem klug genutzten Klangraum der Thomaskirche – zum 20-jährigen Bestehen ihres liebsten Ensemblekindes haben sich die Festivalväter selbst übertroffen und mal wieder überrascht.

Ein erstes Wiedersehen bei der Festivalausgabe 2017 gab es – nach fast zehn Jahren – am Samstag mit Club For Five aus Finnland. Stilistisch ein Chamäleon, soundmäßig eine Wundertüte, sorgte das Quintett für den ersten A-cappella-Abend ausgelassener Stimmung 2017. Füenf aus Stuttgart verursachten dann mit ihrer A-cappella-Pop-Comedy am Sonntag zuerst beim Familienkonzert für Lachtränen, bevor sie auch abendfüllend mit ihren schrägen Ideen und Parodien punkteten. Alle Liebhaber sakraler Renaissance-Kunst kamen am Montag voll auf ihre Kosten: Im makellosen Wohlklang des Ensembles Cinquecento aus Wien flossen Motetten und Messen von Orlando di Lasso durch die Peterskirche. Der baltische Geheimtipp Estonian Voices überzeugte nach seinem Kurzauftritt beim Abschlusskonzert 2016 auch im eigenen Festivalkonzert mit einem frischen Klangmix aus Jazz und Folk sowie starker Bühnenpräsenz.

 

Die beiden Konzerte in der Evangelisch-reformierten Kirche raubten dann auf ihre jeweils eigene Weise den Zuhörern den Atem: A Filetta aus Korsika beeindruckten mit außergewöhnlichen, musikalisch ganz eigenen Kompositionen auf Basis des traditionellen korsischen Gesangs. Dabei übertrug sich die große körperliche Spannung ihres intensiven Musizierens auch auf das Publikum, das einem einzigartigen Konzerterlebnis ganz gebannt und mit großer Offenheit lauschte. Am darauffolgenden Abend sangen die jungen Damen von Kraja aus Schweden und versetzten die Zuhörer mit ihren traumhaft schönen Stimmen und Liedern in stilles Schwelgen. Mit den aus Israel stammenden Profeti della Quinta stand dann ein hervorragender Streifzug durch die Entwicklung des italienischen Madrigals an, den die mit großartigen und zugleich leichten Stimmen (und einem ebenso guten Lautenisten) besetzte Gruppe mit viel Esprit, exzellentem Klang und Gespür darbot. Und kurz vor dem großen Finale, dem Abschlusskonzert des Festivals im Großen Saal des Gewandhauses, dann das Wiedersehen mit den australischen Vocal Jazz-Veteranen The Idea of North, die wie immer hochmusikalische Unterhaltung mit Herz boten.

 

Der Jubiläum feiernde Internationale A CAPPELLA Wettbewerb sah bei seinem 10-jährigen Bestehen zwar keinen Award-Gewinner, aber sechs sehr talentierte deutsche Nachwuchsgruppen, die sich vielseitig präsentierten (überwiegend unverstärkt und mit hohem Anteil an Volkslied- und klassischem Repertoire) und schnell untereinander Freundschaft schlossen - allein das ein großer Gewinn für das Festival und die Szene. Als Zweitplatzierte machen die Octavians aus Jena in hohem Maße auf sich aufmerksam und werden im nächsten Jahr beim Festival auch ein abendfüllendes Konzert gestalten.

Zu Gast werden dann unter anderem auch die King’s Singers sein, die ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum begehen. Außerdem sind die Schweizer Comedy-Asse Bliss und die Gruppe Ndima aus dem Kongo eingeladen. „a cappella“ wird also auch 2018, vom 4. bis 12. Mai, eine wunderbar abgestimmte, globale Reise mit dem wohl schönsten Instrument der Menschheit sein.

 

Autor: Falk Mittenentzwei/ DREIECK MARKETING