Rezension: Eine Überdosis Humor für die Festivalwoche

Eva Ullmann lädt zum Vortrag über Humor ein

 

„Gibt‘s noch Frühstück oder kannst du das auch nicht?“, ein verhaltenes „Hohoho“ hallt durch den Raum.

 

Das ist eine der Indizien für aggressiven, Personen abwertenden Humor, wie im Anschluss erklärt wird. Dieser Humor schafft Distanz, hingegen Humor, der Personen aufwertet und sozial ist, Nähe vermittelt und mehr wie ein befreites „Haha“ klingt.

 

Dieser Spruch ist nur ein Beispiel zur Feststellung dieser beiden verschiedenen Humorarten, auf die Eva Ullmann in ihrem Vortrag „Wenn das die Lösung ist, hätte ich gerne mein Problem zurück. Musik und Humor als Trost und Lebensretter im Alltag“ einen Fokus legt. Denn je nachdem, in welcher Situation man sich befindet und welche Leute anwesend sind, kann es einen großen Unterschied machen, welcher Humor passender ist. Zum Beispiel wird bei einem Streit der aggressive Humor nicht zur Entspannung der Situation führen. In dem Zusammenhang macht Eva Ullmann einen kleinen Sketch mit einer unvorbereiteten Person aus dem Publikum – die sie einschüchtert – um zu verdeutlichen, wie Menschen mit Situationen, in denen sie sich unwohl fühlen, umgehen.

 

Noch ein zweites Mal wird das Publikum einbezogen. Es bekommt die Aufgabe, mit seinem Sitznachbarn zunächst über eine Situation zu sprechen, die uns in letzter Zeit zum Lachen gebracht hat und später über etwas, worüber wir uns geärgert haben. Auffällig ist, dass es schwerer fällt, sich an eine konkrete lustige Situation zu erinnern. Das ist auch ein Hinweis, den uns Eva Ullmann besonders für die Festivalwoche mit auf den Weg gibt: darauf zu achten wann wir jemanden wodurch zum Lachen bringen. Denn gerade das Festival und seine Musik soll uns eine Überdosis Humor verschaffen.

 

Doch das ist leider auch eine der wenigen Bezüge, die Eva Ullmann speziell auf die Musik nimmt. Deutlich wird letztlich nur, dass sowohl Musik als auch Humor erlernbar sind und beide Stimmungen beeinflussen können. Dies stellt sich durch mehrere Videos von Loriot unter Beweis. Auch durch zahlreiche andere Videos und Fotos schafft Eva Ullman es durchgehend, für eine humorvolle Stimmung zu sorgen, die natürlich jeder bei solch einem und bestens besuchten Vortrag auch erwartet hat, ganz anders als bei den meisten wissenschaftlichen Vorträgen. Das liegt auch an den wenigen Fachbegriffen, die sie verwendet. Sie begnügt sich mit ein paar Worten zur gesundheitlich positiven Auswirkung auf den Blutkreislauf, das ansteckende Element des Lachens und dem Begriff der paradoxen Intervention, wenn Menschen zu etwas gebracht werden, was sie sonst nicht tun würden.

Und trotz der wenigen wissenschaftlich wirkenden Abschnitte des Vortrags (oder gerade weil?) gehe ich am Ende aus dem Raum und stelle fest, dass ich ohne es zu merken, spielerisch und mit viel Humor einiges gelernt habe.

 

Autor: Leonie Beer