Rezension: Das stilistische Chamäleon der a cappella Musik

Club for Five fesselt das Publikum am zweiten Festivalabend

 

Wer bei a cappella Musik nur an konzentriert dastehende Personen hinter einem Notenständer denkt,

die klassische Stücke präsentieren, der wird bei Club for Five eines Besseren belehrt.

Denn bereits bei ihrem ersten Stück beweisen die fünf Finnen eine Bühnenpräsenz und Lockerheit, die mitreißend ist. Doch nicht nur das ist an Club for Five faszinierend, auch die Vielfalt der vorgeführten Möglichkeiten, mit der Stimme im doppelten Sinne des Wortes zu spielen, ist beeindruckend. So kommt an diesem Abend nur in wenigen Momenten das Gefühl auf, vor einem reinen Vokalensemble zu sitzen. Stattdessen wirkt es durch die sehr überzeugenden Beatbox- und anderen Einlagen, als würde eine ganz Band auf der Bühne stehen.

 

Besonders wird mit diesem Element gespielt, bei dem siebten Stück des Abends „Black and Tan Fantasy“, das komplett „instrumental“ ist. Zu Beginn des Stückes werden die fehlenden Ensemblemitglieder - als Big Band angekündigt - auf die Bühne geholt. Jeder der fünf hat sein eigenes Instrument zu geordnet bekommen, das täuschend gut nachgeahmt wird, wobei das Trompeten-Solo der Altsängerin am überzeugendsten ist.

 

Nach dem zweiten Lied, dass im Gegensatz zu dem vorangegangen deutlich ruhiger ist und mit wenig beatboxen auskommt, wird das Publikum begrüßt. Doch nicht irgendwie, sondern auf Deutsch von dem Basssänger des Ensembles. Zunächst spricht er frei, schließlich muss er aber doch auf die Hilfe seines Handys zurückgreifen, was er mit den Worten „Jetzt muss ich spicken“ ankündigt. Mit einem Augenzwinkern wird von den anderen Ensemble-Mitgliedern erklärt, dass dies bei jedem Konzert in der jeweiligen Sprache gemacht wird und nimmt damit das Publikum in sympathischer Art gefangen. Die deutschsprachigen Einwürfe ziehen sich durch den ganzen Konzertabend. Besonders als ein Stück aus einer russischen Oper angekündigt wird, sammelt der Basssänger einige Lacher durch deutsche Anmerkungen.

 

Abgesehen vom Russischen, fehlen natürlich auch keine Lieder auf Finnisch. Diese wirken auf Grund des fehlenden Sprachverständnisses in vielen Momenten sehr folkloristisch und – ganz der musikalischen Gesangstradition – sehr mystisch und geradezu wie Beschwörungsgesänge. Das letzte Lied des Abends, welches die Geschichte eines Trolls erzählt, hat zudem Anklänge eines Kinderliedes.
Auch wird vom Tenor des Ensembles auf Chinesisch gesungen – oder dies zumindest behauptet. Doch egal wie, durch den Hintergrundgesang des Ensembles und vor allem der Sopranistin klingt es in unseren Ohren durchaus chinesisch.
Wen das alles noch nicht gefesselt hat, den reißen spätestens die englischen Cover in der zweiten Hälfte des Konzerts mit. Das Publikum klatscht und singt besonders bei „You’re the Voice“ und „Kiss“ von Prince mit, welche es durchaus mit den Originalen aufnehmen können. Und ich bin mir sicher, dass sich viele die Stühle wegwünschen um mittanzen zu können.

 

Am Ende des Abends will der Applaus gar nicht mehr aufhören und das gesamte Publikum steht auf und bittet um Zugabe, mit Erfolg. Beglückte Gesichter verlassen den dicht gefüllten Saal im Haus Leipzig nach dem zweiten Konzert des Internationalen Festivals „a cappella“.

 

Autor: Leonie Beer