Rezension: Derbe Engelszungen

Die Vokalkomiker FÜENF debütieren in Leipzig beim Festival „a cappella“

 

Nachdem ihr Familienkonzert am Nachmittag schon wenige Wochen nach Vorverkaufsstart ausverkauft war, sorgt die Gruppe FÜENF auch am Sonntagabend in der Halle D des Werk 2 noch einmal für volle Hütte.

Das A-cappella-Pop-Comedy-Quintett aus Stuttgart gibt mit seinem Auftritt beim Festival „a cappella“ sein Leipzig-Debüt und lässt sich im Gespräch vor dem Konzert mit Eva Ullmann vom Deutschen Institut für Humor schon einmal in die privaten und bandinternen Karten blicken. Neben Alibi-Kindern und dem Humor von Urologen wird unter anderem thematisiert, wie wichtig Selbstironie ist und dass man doch zu einem gewissen Teil Kind bleiben sollte. Bei FÜENF ist das definitiv der Fall, denn das Konzert der mittlerweile 20 Jahre aktiven Gruppe ist eine Sammlung charmanter Albernheiten mit Hang zum derben Spaß.

Ihr aktuelles Programm „5 Engel für Charlie“ ist bunt zusammengewürfelt. Da gibt es einfache Gute-Laune-Nummern wie „Mach dir da mal keinen Kopf“, aber auch der treffend transportierte Over-the-top-Kitsch und die Inhaltsleere einer 90er-Jahre-Boyband-Ballade, wenn die fünf großen Jungs in „Mein Thermomix“ von einem Allzweck-Küchengerät schmachten. Am besten sind FÜENF aber zum einen beim Parodieren und Umtexten, beispielsweise wenn „Siggi“ – auf Basis von Falcos „Jeanny“ – vor seiner Frau in die Kneipe flüchtet, die dann „kommt, um ihn zu holen…“. Im „Knapp daneben“-Medley, bei dem sich der Alkohol eimerweise in diverse Schlager und Evergreens einschleicht, heißt es dann schon mal „Kotz unter meine Theke“ statt „Komm unter meine Decke“; und im Ernährungsmedley „1000 mal püriert, 1000 mal ist nix passiert – 1001 Nacht Tiramisu gemacht“. Das ist schon herrlich bekloppt.
Zum anderen punkten FÜENF dann, wenn sie wortgewaltig zu Werke witzeln. Gute Beispiele dafür sind die dicht getexteten neuen Songs „Neurodermitis“ – endlich mal ein unverbrauchtes Songthema, wo es doch alles andere schon gab! – und „Pipikakapopo“, das auf einem Bossa Nova-Groove mit frivolen doppeldeutigen Phrasen und Wörtern spielt, sodass der Zuhörer geradezu hören muss, was er da heraus hören will...

So sorgen die Schwaben, deren fünf sehr unterschiedliche Stimmen einen gut verwachsenen Bandsound mit hoher Präsenz ergeben, für lockere, gute Laune und den ein oder anderen Brüller. Die Band-Klassiker „Bring mir die Sonne“, ein „Best of“ der Texte von Patrick Lindner, und das „Horst“-Medley beschließen den Abend und damit einen Tag ausführlicher schwäbischer „Mundart“ beim „a cappella“-Festival 2017.

 

Autor: Falk Mittenentzwei