Rezension: Jetzt ist der Nachwuchs dran

Der 10. A CAPPELLA Wettbewerb startet ĂŒberzeugend

 

Zum 10. Internationalen A CAPPELLA Wettbewerb haben sich erstmals nur deutsche Ensembles fĂŒr die Endrunde qualifiziert.

Das tut der VielfĂ€ltigkeit jedoch keinen Abbruch, wie man schon am ersten der beiden Wettbewerbstage im bestens besuchten Mendelssohnsaal des Leipziger Gewandhauses zu spĂŒren und hören bekommt.

Die Aufgabe, den Internationalen A CAPPELLA Wettbewerb zu eröffnen, wird Ensemble Encore, einem unverstĂ€rkten Sextett aus Stuttgart, ĂŒbergeben, welche diese ehrwĂŒrdig annehmen. Diese starten klassisch, aber dennoch dynamisch und Ă€ußerst klangvoll mit „Die Elenden sollen essen“. Obwohl man dem jungen Ensemble die NervositĂ€t anmerkt, tut das der ProfessionalitĂ€t keinen Abbruch. Man spĂŒrt schnell, mit wie viel Herzblut die SĂ€ngerInnen bei der Sache sind und die Harmonie, welche das Ensemble zusammen ausstrahlt. Das Ensemble zieht schnell das Publikum in seinen Bann, welches sich kaum zu regen traut, so sehr ist die Konzentration der SĂ€ngerinnen und SĂ€nger zu spĂŒren. SpĂ€testens ab dem fĂŒnften Lied „Libertango“ merkt man, wie das Ensemble auftaut und kann die choreografische ErzĂ€hlung einer ganzen Geschichte ohne, dass ein einziges Wort fĂ€llt, bestaunen. Besonders die erste Sopranistin Johanna Pommranz beeindruckt mit ihrer klaren, kraftvollen Stimme. Am Ende gibt das Ensemble sogar Autogramme, was wohl am besten die Begeisterung des Publikums zeigt.

Im Anschluss bietet das verstĂ€rkte Quintett Quintense aus Leipzig einen musikalischen Kontrast zu seinem VorgĂ€nger. Die ebenfalls noch recht jungen SĂ€ngerInnen bestechen durch einen locker leichten aber dennoch sehr kraftvollen Start, welchen sie mit einer Interpretation des bekannten Songs „Favorite Things“ bestreiten. Die Liederwahl des Ensembles gestaltet sich eher modern im Vergleich zum vorangegangenen, was auch die Abwechslung des Internationalen A CAPPELLA Wettbewerbs ausmacht, bei dem nicht zwischen Kategorien unterschieden wird eine besonders anspruchvolle Aufgabe fĂŒr die internationale Jury. Da das geschrĂ€uschvolle Klatschen dem Publikum der Fairness halber zur Wahrung der NeutralitĂ€t untersagt ist, bietet das Ensemble die Möglichkeit an, in GebĂ€rdensprache zu klatschen, was ein Großteil des Publikums gerne annimmt. Der Bass Martin Lorenz rĂŒckt gleich mehrfach in den Fokus des Publikums: Durch seine tĂ€uschend echt wirkenden Kontrabassimitationen sowie durch das letzte Lied, welches ihm und seinen Stimmlagenkollegen gewidmet ist, denn Quintense weiß „it’s all about that Bass“!

Den Abschluss bildet Soundescape aus Köln, welches ebenfalls als Sextett verstĂ€rkt eine Auswahl von vier Liedern auf die Leipziger A CAPPELLA WettbewerbsbĂŒhne im Gewandhaus zaubert. Das sich selbst als „Kinder der 90er“ bezeichnende Ensemble besticht besonders durch die Beatbox-KĂŒnste des Baritons Jan-Hendrik Hermann, welcher einen ĂŒber die Möglichkeiten der GerĂ€uschentwicklung in einem menschlichen Wesen staunen lĂ€sst und eindrucksvoll, raumfĂŒllend sowie belebend den Gesang der anderen Ensemblemitglieder unterstreicht. Besonders wĂ€hrend des Liedes „JĂłga“ ist das zu hören, was das Publikum deutlich zum Staunen bringt. Abschließend verabschiedet sich das Ensemble mit viel guter Laune und sorgt mit einer Interpretation des Songs „Uptown Funk“, eigentlich von Bruno Mars, fĂŒr wippende FĂŒĂŸe, nickende Köpfe und zum Takt tanzende Schultern im Publikum.


Der erste A CAPPELLA Wettbewerbstag geht mit jeder Menge Applaus und Jubel von Seiten des Publikums fĂŒr die drei jungen, kraftvollen Ensembles zu Ende, von denen wir hoffen, in Zukunft noch mehr hören zu dĂŒrfen.

 

Autor: Svantje Carlotta Lehmann