Rezension: Wie aus einem MĂ€rchen

Kraja entfĂŒhrt am siebten Festivalabend in fremde Klangwelten

 

Wie Elfen stehen die vier Schwedinnen vor den vollbesetzten Reihen der Evangelisch Reformierten Kirche.

Selbst oben in der Empore haben noch Leute Platz genommen. Nach kurzer Besinnung beginnt der Gesang, der wie aus einer anderen Welt klingt. Durch die zahlreichen Passagen, in denen lediglich Silben gesungen werden, wird dieser Eindruck verstĂ€rkt. Ein StĂŒck kommt sogar komplett ohne richtigen Text aus und vermittelt dadurch eine noch trĂ€umerische AtmosphĂ€re.


Mit ihren glasklaren Stimmen erklingt eine Sprache, die wie leichter Singsang dahin fließt. Und das soll schwedisch sein? Ein Blick in das Festivalmagazin lĂ€sst eine eher harte Sprache vermuten. Dort stehen auch die deutschen Übersetzungen, auf die die Sopranistin Linnea Nilsson ausdrĂŒcklich verweist. Denn sie betont, dass ihnen an den Liedern die Texte sehr am Herzen liegen. Das wird definitiv auch an ihrer Vortragsart deutlich, die sehr auf TextverstĂ€ndlichkeit ausgelegt ist.
Doch auch unabhĂ€ngig von der deutschen Übersetzung, durch die Art des Gesangs und dem leichten mitschaukeln oder der traurigen Ausstrahlung, werden die Emotionen der Lieder vermittelt.


TatsĂ€chlich gibt es auch einige Parallelen zur deutschen Sprache. Auch ohne die amĂŒsante EinfĂŒhrung des Liedes „Fyllevisor“ ĂŒber Alkohol von Linnea Nilsson, hĂ€tte vermutlich jeder im Raum den Inhalt des Liedes verstanden. Denn die Worte „riktigt full“ lassen das Publikum verwundert auflachen.
Bei diesem Lied, das zu einem der wenigen gehört, die etwas flotter und fröhlicher sind, sieht man zum einen der ersten Male das gesamte Ensemble lÀcheln. Es wirkt, als sei ein Schalter umgelegt worden, denn bei den nun leider bereits letzten Liedern, scheinen die vier Schwedinnen deutlich gelöster.


Beim letzten Lied des Abends steht die Mezzosopranistin Eva Lestander mit kleinen allein gesungenen Passagen im Mittelpunkt. Und obwohl alle Stimmen fĂŒr den Gesamtklang entscheidend sind, ist es doch ein bisschen schade, dass meistens der Sopran im Vordergrund steht und die anderen Stimmen ein bisschen an den Rand zu drĂ€ngen scheint. Nach dem Lied zögert das Publikum mit dem Applaus aus Unsicherheit ob das Lied wirklich zu Ende ist. Ein PhĂ€nomen, das sich durch das gesamte Konzert zieht aber sicher auch der Stille des Vortrages gezollt ist. Nach mehrfachem Dank dafĂŒr, wieder nach Leipzig eingeladen worden zu sein, endet das Konzert. Die Menschen strömen wie verzaubert aus der Kirche, noch ganz im Bann der elfenhaften Musik.

 

Autor: Leonie Beer