Rezension: Stark ohne VerstÀrkung

Überzeugende Stimmen beim 10. A CAPPELLA Wettbewerb

 

Auch am zweiten Tag des internationalen A CAPPELLA Wettbewerbs darf das Publikum wieder im gut besuchten Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses gespannt ...

drei vielversprechenden und unverstĂ€rkt singenden Nachwuchsvokalgruppen lauschen, welche sich fĂŒr die Endrunde qualifiziert haben.

Den Start meistert das Quartett Walhalla zum Seidlwirt aus Berlin. Obwohl die vier SĂ€nger ohne eine weibliche SĂ€ngerin sowie ohne die Stimmlagen Sopran und Alt auftreten, fehlt es dem Ensemble an nichts. Schnell wird klar, wie wohl sich die vier Herren auf der BĂŒhne fĂŒhlen, die ihre Körper im Takt der Musik bewegen und Gesungenes mit Mimik und Gestik unterstreichen. Zu hören bekommt das Publikum klassische Musik, wie „Lindenbaum“ von Franz Schubert, aber auch eine Interpretation des Volksliedes „Das Lieben bringt groß Freud“. Außerdem tĂ€uschend echte PferdegerĂ€uschimitationen von Tenor Goran Cah sind dabei, wĂ€hrend das Publikum auf eine Traumreise in die österreichische Alpenlandschaft zur Einstimmung auf „Jodlabuam“ entfĂŒhrt wird. Zu sehen bekommt das Publikum wĂ€hrend der mit viel Witz vorgetragenen Anekdoten zwischen den Liedern auch einen Kopfstand vom Bass Phillipp Mayer. All das tut der ProfessionalitĂ€t des Ensembles aber keinen Abbruch, welche mit viel Applaus vom Publikum verabschiedet wird.

Anschließend fesselt das Quintett Ensemble Fimmadur aus Leipzig, das wohl jĂŒngste am diesjĂ€hrigen A CAPPELLA Wettbewerb teilnehmende Ensemble, nicht nur das Publikum sondern auch die internationale Jury. Sie beeindrucken mit einer Neuinterpretation des allseits bekannten Kinder- und Volkslied „Es klappert die MĂŒhle am rauschenden Bach“ und bieten so eine völlig neue Hörweise dar. Das so dynamische und energievolle Klipp Klapp entlockt dem Publikum auch das eine oder andere Kichern. Die Sopranistin Maria Uhlemann steht besonders bei „Ich hab die Nacht getrĂ€umet“ im Mittelpunkt und bannt mit einer so klaren, hohen Stimme, dass sich kein Regen in dem Publikumsreihen verzeichnen lĂ€sst. Mit „Joshua fit the battle of Jericho“ beweisen die fĂŒnf SĂ€ngerinnen und SĂ€nger, dass sie auch mehr als ruhig und bedacht können. Das Publikum zeigt sich begeistert, sodass Ensemble Fimmadur in der Pause sogar Autogramme geben muss.

Das grĂ¶ĂŸte am A CAPPELLA Wettbewerb teilnehmende Ensemble, das Septett Octavians aus Jena, kommt die Aufgabe zuteil, die beiden Wettbewerbstage abzuschließen. Auch sie singen ohne weibliche Stimmen und ohne die Stimmen Sopran und Alt, dafĂŒr aber mit gleich drei Countertenören. Von NervositĂ€t ist bei den sieben Herren von Anfang an keine Spur zu erkennen, dafĂŒr umso deutlicher die Konzentration sowie die Leidenschaft. Besonders begeistert zeigen sich die Zuhörer, als sie Zeugen einer UrauffĂŒhrung werden dĂŒrfen. Das von Andreas Kuch extra fĂŒr Octavians anlĂ€sslich des Leipziger Wettbewerbes arrangiert und komponierte StĂŒck „Hey Ho“ wird so warmherzig und mitfĂŒhlend vorgetragen, dass sich das Publikum merklich zurĂŒckhalten muss nicht zu klatschen. Einen wunderbar gefĂŒhlvollen Abschluss bietet das Ensemble mit einer Interpretation des Songs „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard May, welche zum TrĂ€umen und Schwelgen anregt.

Mit sehr viel Applaus und Jubel verabschiedet sich das Publikum von den Ensembles, der internationalen Jury und dieser viel zu schnell vorĂŒber gegangenen Austragungen des Internationalen A CAPPELLA Wettbewerbs Leipzig und blickt mit viel Spannung der Bekanntgabe von Platzierungen und Gewinnern entgegen! Weiter geht es aber dennoch: die Ensembles gehen am Samstag alle in einen öffentlichen Workshop und prĂ€sentieren sich dem Publikum danach noch einmal im A CAPPELLA Showcase, bevor sie im Rahmen des Festivalkonzertes von The Idea of North am Abend ihre Platzierungen erfahren.

 

Autor: Svantje Carlotta Lehmann