Rezension: Tiefgehendes VergnĂĽgen

Die Madrigal-Reise des Ensembles Profeti della Quinta

 

Wer sich erstmals profund und zugleich kurzweilig in die Welt des italienischen Madrigals entführen lassen wollte, 

war am Freitagabend bei „a cappella“ genau so richtig wie diejenigen, die sich für diese reichhaltige Kunst von einem frischen Ensemble erneut begeistern lassen wollten. Das Ensemble Profeti della Quinta, in Israel gegründet und in der Schweiz ansässig, spannte in seinem Programm einen überwiegend chronologischen Faden von Cipriano de Rore über Luzzascho Luzzaschi zu Gesualdo und Monteverdi – eine Paradebeispielsammlung dafür, die bildreiche Dichtung der Zeit musikalisch auszudeuten und dabei die Regeln der Polyphonie neu zu schreiben. Sehnsüchtige, tiefe und mitunter unerfüllte Liebe, die Qualen bereitet, Tränen und Feuer bringt, und zuweilen nur mit dem Tod gelindert werden kann, war zentrales Thema der Madrigal-Poesie, welche sich mit Hilfe der Musik entsprechend klangvoll vertonen ließ. Etwas, das zum Auskosten da ist – und was den fünf Sängern des Ensembles bestens gelingt.

Dass sie kein italienisches, britisches oder deutsches Ensemble sind, ist vielleicht ein Vorteil, weil sie so nicht nach einer dieser Schulen für weltlichen Renaissancegesang klingen. Die Gruppe hat das Bewusstsein für das Gefühl und die Technik, die man braucht, um diese Musik überzeugend darzubieten, aber sie nimmt auch nichts zu schwer. Da wirkt nichts antiquiert oder steif, mitunter blitzt auch ein gewisser Schalk in ihrem Nacken auf. Die Profeti singen einfach mit viel Esprit. Die Einzelstimmen sind klangvoll und luftig, ihr Zusammenklang dennoch dicht. Der klare Bass von Ensembleleiter Elam Rotem gefällt genauso wie der natürliche Ton von Tenor Dan Dunkelblum. Über allem thront der schlanke, wunderbar geführte Countertenor von Doron Schleifer, der im solistischen Beginn von „Cor mio, deh non languire“ (Salomone Rossi) mit einem Feuerwerk an Farb-wechseln in seiner Stimme alles und jeden an die Wand singt…

Ungleichgewichte gibt es bei Programm und Ensemble dennoch nicht. Schließlich ist da auch noch das filigrane, feinfühlige Spiel auf der Laute (sowie Theorbe) von Orí Harmelin. Seine instrumentalen Madrigalversionen sind perfekte Überleitungen, bei denen man umso mehr das Gefühl hat, in die privaten Madrigalaufführungen der damaligen Zeit (mit ausgewähltem Zuhörerkreis) zurückzureisen. Begleitet werden sie nur durch das träumerische Mitnicken der Sänger und das Zwitschern der Vögel in den Höhen außerhalb der Kirche…

Das Publikum übrigens ist ganz Gentleman: es schweigt und genießt. Stillschweigend hat es sich auferlegt, zwischen den Stücken bzw. Programmabschnitten nicht zu klatschen. Obwohl das Madrigal ja diejenige Vokalmusik der Renaissance ist, die für Vergnügen steht. Vergnügen bereiten die zu hörenden Stücke aber letztlich durchweg. Die effektiv gesetzte Chromatik von Gesualdo, deren Anfänge und Wiederaufnahme man im Programmverlauf auch bei Luzzaschi und Scipione Lacorcia erkennen kann… Die Griffigkeit der Stücke des jüdischen Komponisten Salomone Rossi… Im Anschluss an Monteverdis Mammutstück „Lamento d’Arianna“ bahnt sich dann doch Zwischenapplaus seinen Weg aus dem Auditorium und lässt so auch die Sänger etwas durchatmen. Und nachdem im Finale von „Zefiro torna“ (ebenfalls Monteverdi) alle Stimmen noch einmal ihren ganzen Glanz und Schmiss auffahren können, will der Jubel schließlich kein Ende nehmen – auch nicht nach zwei Zugaben. Zurecht. Denn die Profeti della Quinta gaben eine absolut exzellente Vorstellung ab, die großen Spaß gemacht hat. Das Festival „a cappella“ geht damit selbst auf ein Finale zu, das einem Höhenflug gleicht.

 

Autor: Falk Mittenentzwei