Rezension: Eine produktive Atmosphäre, die sich auszahlt

Stimmen mit Zukunft im A CAPPELLA Workshop

 

Im Rahmen des 10. internationalen A CAPPELLA Wettbewerbs wird den Nachwuchsensembles im Sinne des Workshops die Möglichkeit geboten,

zusammen mit Vokaljazz-Profi und Berater nationaler und internationaler Chorwettbewerbe Dr. Matthias Becker in der Alten Handelsbörse in Leipzig an einer kleinen, frei wählbaren Auswahl ihrer Stücke zu arbeiten. Diese müssen nicht zuvor bereits beim Wettbewerb vorgetragen worden sein, sodass auch hier dem Hörer wieder einige Neuigkeiten erwarten.

 

Zu Beginn hat das Sextett Ensemble Encore aus Stuttgart die Ehre. Sie haben das bereits am ersten Wettbewerbstag vorgetragene Stück „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ mitgebracht, welches sie in verschiedener Variation darbieten. Obwohl Bariton Johannes Fritsche zugibt, es noch etwas früh am Morgen für Gesangsübungen zu finden, wirken die sechs Sänger und Sängerinnen sehr konzentriert und mitfühlend, was sicher auch ein Grund für das Lob von Matthias Becker geführt, der besonders die „wunderbaren Stimmen“ des Ensembles  hervorhebt. Auch nach der Besprechung des zweiten Stücks, „Deep River“, zeigt sich Matthias Becker merklich zufrieden.

Mit viel Zuspruch seitens Beckers und Applaus des Publikums sowie der anderen Ensembles werden die Sänger durch Quintense aus Leipzig abgelöst, einem Quintett, welches normalerweise verstärkt auftritt. Kontrastreich zum vorherigen Vocalsextett haben sie „I wish“ von Stevie Wonder mitgebracht, was sie dynamisch, gut gelaunt und souverän vortragen. Als das Ensemble das zweites Stück „Another day in Paradise“ von Phil Collins anstimmt, herrscht schnell eine angenehme, einfühlsame Stille im Saal. Matthias Becker zeigt sich erfreut, nachdem Quintense das Publikum noch mit einem Gutenachtlied verabschiedet, indem er den Gesang als „sau gut“ und die Arbeit des Quintettes mit den Worten „Die machen so viel richtig!“ kommentiert.

 

Als drittes betreten die Octavians, ein rein männliches Septett aus Jena, die Bühne. Sie tragen das eigens für sie komponierte Stück „Hey Ho“ vor und, obwohl sie an diesem Tag nur zu sechst im Workshop sein können, zeigt Becker sich begeistert. Besonders für „so einen Altus“ bekommen Ocavians und besonders der angesprochene Sänger Heiko Knopf ein Kompliment. Auch für „Tu solus qui facis mirabilia“ bekommt das Ensemble Komplimente, wenn auch einige Hinweise, worauf in Zukunft geachtet werden sollte. Mit den Worten „Ihr klingt sau geil“ verabschiedet Becker die Sänger.

 

Nach der Mittagspause begrüßt Becker dann das Quartett Walhalla zum Seidlwirt aus Berlin, welches zunächst eine Interpretation von „Das Lieben bringt groß Freud“ vorträgt. Becker hebt vor allem die solistischen Gesangsfähigkeiten der Herren hervor, die durch die Umsetzung weniger Tipps zu einer noch besser harmonierenden Einheit gelangen. Nach dem zweiten Lied „Jodlabuam“ lobt Becker besonders, wie authentisch das Ensemble sich gibt und kommentiert die Stimme des Tenors Berk Altan mit „phänomenal“! Mit so großem Lob überlässt das Quartett dem Ensemble Fimmadur aus Leipzig die Bühne. Diese beginnen mit der Interpretation des Liedes „Joshua fit the battle of Jericho“, bei welchem sie besonders für ihren Tenor Konrad Didt mit den Worten „sehr geiler Tenor“ von Becker eingeschätzt werden. Das Quintett nimmt die Kritik Beckers zur Art der Darbietung und miteinander Agierens professionell an und sich merklich zu Herzen. Auf die Interpretation des Liedes „And so it goes“ von Billy Joel lässt Becker daher großes Lob folgen.

 

Zu guter Letzt betritt das Sextett Soundescape aus Köln die Bühne, welche ebenfalls sonst verstärkt singen. Nach dem ersten Song „Both Sides Now“ zeigt Becker sich „restlos begeistert“ und hält das junge Ensemble lediglich dazu an, mutiger im Umgang mit ihren kraftvollen Stimmen zu werden. Daraufhin stellt das Ensemble ein etwas experimentelleres Stück aus ihrem Repertoire vor: „Jóga“. So sprachlos wie nach diesem Stück sehen wir den Gesangsprofi an diesem Tag zum ersten Mal, denn der Gesang sowie das Arrangement seien „fast perfekt“, sodass noch Zeit für ein drittes Stück bleibt. So verabschiedet sich das Ensemble mit viel Lob nach dem Song „Uptown Funk“ gut gelaunt und hinterlässt einen begeisterten Matthias Becker sowie ein beflügeltes Publikum.

 

Den Ensembles bleibt aber nicht viel Zeit zum Verschnaufen, denn gleich im Anschluss wird ihnen die Möglichkeit geboten, ihre neuen Erkenntnisse vor dem Publikum des A CAPPELLA Showcases unter Beweis zu stellen.

 

Autor: Svantje Carlotta Lehmann