Rezension: Von Höhepunkt zu Höhepunkt

The Idea of North mit grandioser Unterstützung bei Vocalpercussion

 

Das erste Lied des Abends ist ein Michael Jackson Medley, bei dem kein Hit fehlt. Das Publikum ist begeistert.

Doch wenn mit einem so mitreißenden Lied begonnen wird, stellt sich die Frage, wird es noch besser? Oder hätte nicht doch ein anderes Stück als erstes gespielt werden sollen, so dass es noch Möglichkeiten zur Steigerung gibt?

 

Doch diese Sorge ist völlig unbegründet. Denn im Anschluss erklingt ein Jazzstandard. Sofort merkt man, dass diese Musikrichtung besonders der Altistin Naomi Crellin noch besser liegt. Vor dem inneren Auge steigen Bilder auf von einer rauchigen Eckkneipe mit einer kleinen Bühne, auf der die vier Sänger und der gastierende Beatboxer Kai Kitamura stehen.

 

Diesem Mundschlagzeug, wie ihn die Sopranistin auf Deutsch angekündigt hat, kommt auch die Ehre zu, einen Teil des Programms solistisch zu präsentieren. Der Nachahmung der einzelnen Bestandteile seines Mundschlagzeuges, lässt er eine Vorstellung anderer Effekte folgen. Das Publikum ist komplett begeistert und spendet mehrere Male spontanen Zwischenapplaus. Am besten kommt die akustische Szene eines startenden Flugzeugs an. Erst werden den Passagieren auf Japanisch und Englisch Anweisungen gegeben, dann beginnen die Motoren zu arbeiten und schließlich hört man das Flugzeug nur noch aus der Ferne. Als Kai Kitamura nach dieser kleinen Showeinlage, unter tosendem Applaus, die Bühne verlässt, möchte ihn wahrscheinlich keiner aus dem Publikum gehen lassen.

 

Doch schließlich soll The Idea of North der Mittelpunkt bleiben. Mit ihrer sympathischen Art schaffen es die Vier sofort wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Mit einem Augenzwinkern beginnen sich die Mitglieder des Ensembles, besonders der Tenor Nick Begbie und die Altsistin, leise zu streiten. Zunächst wird nicht klar, ob es nicht tatsächlich ein Problem gibt. Doch dann beginnt der Tenor zum Publikum zu sprechen und die anderen summen im Hintergrund. Er hat ein musikalisches Problem und das besteht darin, dass er viel lieber in F-Dur singen würde, doch seine Kollegen singen in Fis. Klingt erst einmal unspektakulär. Doch stelle man sich diesen Zwiespalt in den dazu passenden Tonlagen vor - das ganze Stück bekommt eine Komik, die den ganzen Saal zum Lachen bringt.

 

Doch das bleibt nicht der einzige amüsante Musikbeitrag. Gegen Ende des Abends erklingt das Stück „Psycho - the musical“. Plötzlich gehen die Nebelmaschinen an und der recht edle Saal bekommt eine ganz andere Atmosphäre. Wieder steht der Tenor im Mittelpunkt des Geschehens. Während er singt, summen die anderen im Hintergrund. Zwischendurch machen sie hohe, fast kreischende Geräusche. Das Publikum lacht schallend auf. Doch merkt man auch, dass Teile des Publikums ratlos da sitzen. Vermutlich muss zum Verständnis dieses Liedes doch der Film bekannt sein.

 

Am Ende des Abends will der Applaus gar nicht mehr aufhören und zum ersten Mal erlebe ich es, dass eine Musikgruppe sich zwei Mal dazu entschließt eine Zugabe zu geben obwohl das Licht des Saales zwischendurch bereits wieder eingeschaltet wurde und Teile des Publikums schon den Saal verlassen haben. Mit dem hierbei vorgetragenen „Mein Hut, der hat drei Ecken“, bei welchem jedes der Ensemble-Mitglieder für die wegfallenden Worte ein eigenes Geräusch einbaut, endet der Abend genau so mitreißend und humorvoll, wie er begann.

 

Autor: Leonie Beer