Rezension: Massage fĂŒr die Stimme

Die wissenschaftlich Seite des Festivals "a cappella"

 

Gespannte Stille herrscht zu Beginn des Vortrags in dem, trotz des endlich schönen Wetters, fast vollbesetzten Raum der Villa Thomana.

Denn zunĂ€chst vermittelt Prof. Dr. Micheal Fuchs, fĂŒhrender Phoniater am UniversitĂ€tsklinikum Leipzig, vor allem das grundlegende Wissen ĂŒber den Aufbau der menschlichen Stimme. Obwohl recht großzĂŒgig mit Fachbegriffen umgegangen wird, ist der Vortrag doch gut nachvollziehbar. Denn es werden alle Aspekte sehr anschaulich dargestellt, mit Bildern, aber auch mit Videos. Besonders beeindruckend ist die MRT-Aufnahme eines Countertenors. Dieser hat wĂ€hrend des Singens einer Arie seinen Mund- und Rachenraum beobachten lassen. Auch wenn man als Laie wenig erkennen kann, ist es doch faszinierend zu sehen, wie sich einzelne Muskeln an- und entspannen und sich die Zunge und der Mund bewegt. Eine andere Aufnahme zeigt die Bewegungen der Lunge wĂ€hrend des Erzeugens verschiedener Töne. Auch diese Röntgenbilder bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Ganz gefangen sitzt das Publikum da. Doch kann sich es nicht einfach nur entspannt zurĂŒcklehnen, denn zum Beispiel bei der Frage nach der LĂ€nge der Stimmlippen sind alle aufgefordert SchĂ€tzungen abzugeben.

 

Als Prof. Fuchs beginnt, Mythen ĂŒber die Pflege der Stimme spannend zu erzĂ€hlen, wandelt sich die AtmosphĂ€re im Raum. Immer wieder geht ein Raunen und Tuscheln durch die Menge. Überall sieht man gezĂŒckte Stifte und Blöcke, denn jetzt heißt es, möglichst jeden Tipp vom Profi mitzubekommen. Gerade bei der Anregung, sich in Zukunft stimmhaft zu RĂ€uspern, statt des normalen RĂ€usperns, welches sehr schlecht fĂŒr die Stimme ist, hört man sofort einige Nachahmer im Publikum.

 

Auch werden wĂ€hrend des Vortrags immer wieder Fragen eingeworfen, welche mit Kenntnisreichtum und Ruhe vom Vortragenden beantwortet werden. Eine rundum angenehme Stimmung wird bei diesem doch recht anspruchsvollen Vortrag geschaffen. Und gegen Ende gibt es noch ein Experiment. Auf jedem Platz liegt eine Wasserflasche. Dazu wurden bereits zu Beginn Strohhalme verteilt. Nun soll jeder seinen Strohhalm in die Flasche stecken und, wie man es von Kindern kennt, in den Strohhalm pusten. Überall sieht man Blasen aufsteigen. Doch wenn man nach Anweisungen mit stimmhaftem „uuu“ pustet, sieht es nicht nur lustig aus und klingt komisch, sondern es werden auch die Stimmlippen massiert und das wirkt sich positiv auf die Stimme aus. Begeisterter Applaus und Vorfreude aufs nĂ€chste Jahr, wenn es bei Internationalen Festival „a cappella“ in Leipzig im Mai wieder VortrĂ€ge von Prof. Fuchs geben wird.

 

Autor: Leonie Beer