Rezension: Ein edler Tropfen auf dem heißen Stein der Liebe

Schwelgend und verschmitzt klingen die German Gents in ihrem PreistrĂ€gerkonzert bei „a cappella“

 

Das erste „a cappella“-Wochenende 2021 beschließen zum Montag, quasi als Bonbon obendrein, aus der Evangelisch Reformierten Kirche die German Gents aus Berlin ...

 

... – vier junge MĂ€nner, die beim Internationalen „a cappella“ Wettbewerb im Jahr 2019 ihren ersten großen Sprung auf breites Podium und in WettbewerbslĂŒfte gewagt haben und aus dem Stand Jury und Publikum in Leipzig begeisterten. Der Lohn dieses aus hohem Potential gegossenen Take-offs war der erste Platz beim Wettbewerb und eine gefĂŒhlt dem Ensemble jetzt schon lebenslang treue Schar an „a cappella“-Fans.

 

Wie die German Gents in ihrem nun (und immerhin als Live-Stream) stattfindenden PreistrĂ€gerkonzert selbst sagten, hat sich ihre Zeit beim „a cappella“-Wettbewerb wie eine „stĂŒrmische Liebesgeschichte“ angefĂŒhlt. Es passt also bestens, wenn sie nun mit einem Programm aufwarten, das StĂŒcke aus der Zeit der Romantik, Barbershop und gesangsbetontes Liedgut der populĂ€ren Musik der vor allem 1920er bis 60er Jahre beinhaltet.

 

Das ausgewĂ€hlte Repertoire spielt ihnen vollends in die Karten – beziehungsweise hat die vier SĂ€nger schlichtweg auf natĂŒrlichem Wege gefunden. So gelingt und stimmt schon das Eröffnungslied, das dem Programm seinen Titel gebende „Mit ‘nem Kuss vor der HaustĂŒr fing’s an“, perfekt. Den Klang der Comedian Harmonists-Ära und das romantische Chorideal – das treffen die Gents mit ihrem Ensemblesound absolut. So will man das hören. Die von amarcord-Tenor Robert Pohlers in der Anmoderation angesprochene „erstaunliche Reife“ der Gruppe fĂŒr ihr Alter von jeweils Anfang Zwanzig ist hier sehr deutlich zu hören. Bei aller klassischen Stimmausbildung und bewussten Klangfokussierung bringt eben dieses junge Alter dabei eine frische Nuance ein, die sich die Gruppe (nicht nur fĂŒr die TextverstĂ€ndlichkeit) hoffentlich so erhalten wird. Ganz ausspielen können sie ihren Quartettklang vor allem, wenn sie die LautstĂ€rke (dynamisch) aufdrehen. Das schimmert und vibriert in vielen Momenten schon ausnehmend schön. Auch die Einzelstimmen, wie die des ersten Tenors Thoma Wutz, zeigen gerade in den Höhen ein paar geschmackvolle Farbtupfer, die aufhorchen lassen. Da sieht und hört man sozusagen ohne Umschweif, was in der Zukunft noch lauern mag.

 

Beispielsweise im zum bestĂ€ndigen Schmunzeln anregenden „Der KĂ€fer und die Blume“ fĂ€ngt die Kamera (speziell bei den beiden Tenören) auch ein paar sehr amĂŒsante Mimiken ein, denn die Gents wollen ihre Lieder natĂŒrlich auch mit passenden Gesten, Minen und gestalterischen EinfĂ€llen anreichern. Das kann hier und da auch noch etwas lockerer und grĂ¶ĂŸer sein und werden, wird aber bei körperlich anwesendem Publikum, das ja dann auch reagiert und dem Ensemble unmittelbar Feedback bietet, kein Problem sein. Das Schwelgen in den erstrebten KlĂ€ngen ist es schon jetzt nicht. So geben sie zum Beispiel den amerikanischen Folksong „Shenandoah“ sehr gefĂŒhlvoll. Mendelssohns „Wasserfahrt“ mit seinen wellenartigen Motivlinien gibt den Gents ideal Gelegenheit, ihre einzelnen Stimmen gewinnbringend autark und dann wieder zusammenfindend ins beste Licht zu setzen. Da horcht man inmitten vieler schön homophon gesetzter Arrangements noch einmal extra auf, und die Gents geben ihrer Interpretation auch dynamisch gute Ideen mit. Auch Billy Joels „Lullabye“ – immerhin ein absoluter Genre-Standard – ĂŒberzeugt. Und angesichts der gut funktionierenden flotten Nummern des Abends wĂ€re es spannend, wie wohl ein Programm mit noch mehr Material Ă  la „Return to Sender“ oder „Veronika, der 
“ – na, Sie wissen schon – wirkt.

 

„Vielleicht können wir heute fĂŒr Sie ein kleiner edler Tropfen sein, mit dem Sie mal alles um sich herum ausblenden und vergessen können“, sagen die German Gents vor dem „Trinklied“ charmant. Das kann man ohne Probleme so abnicken. Die vier jungen Gentlemen haben ihre Leipziger, also ihre „a cappella“-Fangemeinde mit dem Konzert sicher sehr glĂŒcklich gemacht und ihnen feine, gesegnete KlĂ€nge und Botschaften zugesendet. Daraus lĂ€sst sich etwas von der an diesem Abend programmatischen Liebe und Sehnsucht abschöpfen – „until we meet again“.

 

Weitere Informationen, Pressestimmen und EindrĂŒcke zum Festival „a cappella“ finden Sie hier auf der Festival-Homepage sowie auf den PrĂ€senzen des Festivals bei Facebook (www.facebook.com/acappellafestivalleipzig), Instagram und www.youtube.com/c/acappelalleipzig. Ebendort und hier in der Videogalerie sind neben dem „a cappella“-Live-Chat und dem Familienkonzert des Festivals auch die EinfĂŒhrungsgesprĂ€che mit den Ensembles zu ihren jeweiligen Einzelkonzerten dauerhaft abrufbar.

 

Autor: Falk Mittenentzwei